Einflüstern

Rezitation Volker C. Jakoby:  https://www.facebook.com/ffolcus/videos/461617936013217?notif_id=1663156583895139&notif_t=video_wall_create&ref=noti

Ach ließest du schlimme innere Stimme
es doch, mir Klänge ins Ohr zu flöten,
sanft summend, als hieße dich eine Imme
den Nektar zu suchen, der ihr vonnöten.

Du animierst mich in Reimen zu schreiben
und flüsterst mir zu sogar im Sonett.
Da fragst du nicht, ob dieses Betreiben
gefällt und außer mir auch Leser hätt‘.

Die Bilder, die mir in Worten aufscheinen,
sie reihst du gern ein in rhythmischem Tanz,
um Sinn, Bild und Klang poetisch zu einen,
scheust du nicht zurück vor Ulk, Firlefanz.

Doch leider kann ich mich dir nicht entziehen,
es sei denn, ich würde mich selber fliehen.

©Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Verbunden



Verwoben sind wohl aller Menschen Leben,
die Freud des Einen und des Andern Leid.
Was wir gestalten, wie wir handeln, geben,
verbindet miteinander, prägt die Zeit.

Und auch vergangner Völker sanfte Spuren
betreffen heute noch der Tage Lauf.
Wir glauben zwar, es schlügen nur die Uhren,
die wir hier ziehen eigenhändig auf.

Jedoch uns nährt des Lebens ew’ge Quelle
und viele Wege, die beschritten sind,
erscheinen uns als eine neue Stelle,
so wie ein Sprechender die Sprache find’.

Die Sprache, worin unser Denken schwingt,
wir prägen sie und fügen Deutung zu.
Jedoch in jedem Wort, das uns erklingt,
besingt das Leben auch ein fernes Du.

So wie das Licht der Sterne, die verglühten,
noch immer in den Nächten zu uns dringt,
erleben wir, was lange vor uns blühte,
weil es in dieses Daseins Tiefen schwingt.

© Ingrid Herta Drewing,

Es ist erstaunlich, wie KI dieses Gedicht interpretieren kann , hier das Beispiel:

Interpretation des Gedichts „Verbunden“ von Ingrid Herta Drewing

In einer zunehmend individualisierten und oft fragmentierten Welt stellt sich die Frage, wie autark der Mensch tatsächlich ist. Mit dieser philosophischen Grundfrage setzt sich die zeitgenössische Lyrikerin Ingrid Herta Drewing in ihrem Gedicht „Verbunden“ auseinander. Das Werk, das der modernen Gedankenlyrik zuzuordnen ist, entfaltet die zentrale These, dass kein Mensch isoliert existiert. Vielmehr bettet Drewing das Individuum in ein zeitloses, generationenübergreifendes Netzwerk aus Schicksal, Geschichte und Sprache ein. Durch eine harmonische Verknüpfung von klassischer Formstrenge und tiefgründiger Metaphorik gelingt der Autorin ein Plädoyer für Demut und zwischenmenschliche Verantwortung.

Das Gedicht ist streng und harmonisch aufgebaut. Es besteht aus fünf Strophen mit je vier Versen, die durchgehend im Kreuzreim (abab) verfasst sind. Als Metrum wählt Drewing einen regelmäßigen, fünfhebigen Jambus mit wechselnden Kadenzen. Dieser ruhige, fließende Rhythmus verleiht dem Text einen meditativen, nachdenklichen Charakter. Die formale Symmetrie ist dabei kein reiner Selbstzweck: Die äußere Ordnung spiegelt die inhaltliche Kernbotschaft wider – die Vorstellung einer höheren, sinnhaften Ordnung und Verbundenheit aller Dinge im Kosmos.

Bereits die erste Strophe stellt die existenzielle Verwebung der Menschheit dar. Mit dem Eingangswort „Verwoben“ (V. 1) etabliert die Lyrikerin das Bild eines riesigen Teppichs, in dem die Fäden der einzelnen Leben unentwirrbar verknüpft sind. Glück und Schmerz sind dabei kollektive Erfahrungen, denn „die Freud des Einen und des Andern Leid“ (V. 2) bedingen einander. Drewing betont hier die ethische Komponente des Daseins: Jedes Gestalten, Handeln und Geben des Einzelnen hat Resonanz im Ganzen und „prägt die Zeit“ (V. 4).

In der zweiten Strophe erweitert die Autorin die Perspektive um die historische Dimension. Sie erinnert daran, dass auch die „sanfte[n] Spuren“ (V. 5) vergangener Völker das heutige Leben maßgeblich beeinflussen. Dem stellt sie eine kritische Beobachtung der menschlichen Hybris gegenüber: „Wir glauben zwar, es schlügen nur die Uhren, / die wir hier ziehen eigenhändig auf“ (V. 7f.). Die Metapher der Uhr symbolisiert die Illusion des modernen Menschen, er sei völlig autonom, kontrolliere seine Lebenszeit absolut selbst und stehe außerhalb der Geschichte.

Dieses Trugbild wird in der dritten Strophe durch das einleitende „Jedoch“ (V. 9) direkt korrigiert. Der Mensch ist nicht der Schöpfer aus dem Nichts, sondern er schöpft aus des „Lebens ew’ge[r] Quelle“ (V. 9). Drewing zeigt auf, dass vermeintlich neue Erkenntnisse oder Wege oft nur das Wiederentdecken von bereits von Vorfahren beschrittenen Pfaden sind. Um dies zu veranschaulichen, nutzt sie die Analogie des Spracherwerbs: Ein Individuum erlernt die Sprache und nutzt sie subjektiv neu, obwohl das sprachliche System schon lange vor ihm existierte (V. 11f.).

Die vierte Strophe widmet sich ganz diesem Phänomen der Sprache, was einen deutlichen Bezug zu Drewings eigener Biografie als Germanistin und Lehrerin aufzeigt. Sprache ist der Resonanzraum, „worin unser Denken schwingt“ (V. 13). Zwar prägt jede Generation die Sprache weiter und fügt ihr neue Deutungen hinzu (V. 14), doch bleibt sie das ultimative kollektive Gedächtnis. In jedem gesprochenen Wort schwingt das Echo derer mit, die es vor uns formten – es „besingt das Leben auch ein fernes Du“ (V. 16).

Die fünfte Strophe führt das Gedicht schließlich in einer großen kosmischen Synthese zusammen. Drewing wählt hier ein kraftvolles Naturbild: „So wie das Licht der Sterne, die verglühten, / noch immer in den Nächten zu uns dringt“ (V. 17f.). Diese physikalische Wahrheit wird zur poetischen Wahrheit für das menschliche Kulturerbe erhoben. Was lange vor uns „blühte“ (V. 19) – seien es Taten, Kunstwerke oder Gedanken –, ist im Hier und Jetzt spürbar, weil es in den „Tiefen“ des Daseins weiterschwingt (V. 20).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ingrid Herta Drewing mit „Verbunden“ ein zeitloses Werk geschaffen hat, das formal an die Traditionen der Klassik und motivisch an die Romantik anknüpft. Das wiederkehrende Leitmotiv des „Schwingens“ verdeutlicht, dass alles Existierende miteinander in Schwingung und Verbindung steht. Das Gedicht entlässt den Leser mit einer zutiefst tröstlichen und zugleich mahnenden Botschaft: Nichts, was wir tun, geht verloren. Wir stehen auf dem Fundament der Vergangenheit und senden mit unseren heutigen Taten das Licht für die Generationen der Zukunft aus.

SEPTEMBERTAGE

September scheint den Frühherbst einzuladen,
obwohl er häufig noch von Sommer spricht;
Goldruten grüßen zahlreich, hell im Licht
ein Blütenfall in leuchtenden Kaskaden.

Die letzten Sonnenblumen in Parade,
der großen Muhme zeigen sie Gesicht;
die Köpfe hoch erhoben, ein Gedicht,
bereichern sie am See noch das Gestade.

Im Mittagslicht sanft Silberfäden schweben,
Altweibersommer-Zeit nun flugs beginnt.
Im Garten weile ich, wo recht geschwind
Eichhörnchen mag die Haselnuss aufheben.



Beglückt verfolg’ ich Flora, Fauna-Spur,
genieße die Geschenke der Natur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

11. SEPTEMBER 2001


Jahr`25 ist es her,
ein Tag der Trauer, folgenschwer;
hier brach die „Heile Welt“ entzwei,
und wir als Zeugen warn dabei.

–
Ins strahlende Septemberblau
Twin-Towers, Wolkenkratzer-Bau
brennen mit rußigen Fahnen,
zwei Fackeln zum Himmel mahnen.

–
Entsetzen starrt aus allen Mienen,
gebannt schau’n wir zum Bildschirm hin,
betroffen folgend Zeilenschienen,
entschlüsseln wir der Worte Sinn.

–
Des Terroranschlags Todesspur,
zwei Jets als Bomben eingesetzt
von Islamisten, die hier stur
im Hass gemordet, aufgehetzt.

–
3000 Tote sind zu zählen,
und Tausende Verletzte quälen
sich heut’ noch, krank an Leib und Seel’;
so mancher, dem das Liebste fehlt.

–
Gedenkt der Menschen, ihrer Namen,
die sinnlos hier zu Tode kamen,
auch derer, die hernach im Krieg
gefallen für erhofften Sieg!

–
Wo Hass und Dummheit sich verweben,
zerstören sie das Licht, das Leben.
Der Mensch, wenn er verweilt im Wahn,
bewegt sich auf des Todes Bahn.

–
© Text: Ingrid Herta Drewing


Foto : Tagesschau

Herbst

Zum Herbstbeginn darf ich mein Taschenbuch HERBST
empfehlen.
ISBN:9783759865946 8.99 Euro
Es ist online und in allen Buchhandlungen vor Ort bestellbar.
„HERBST nimmt den Leser mit auf eine poetische Reise in den Herbst, wie wir ihn in Mitteleuropa kennen und lieben. In unterschiedlichen Gedichtformen wird die vielfältige Schönheit dieser Jahreszeit beleuchtet. Die Autorin hat sowohl Formen der traditionellen als auch der modernen Lyrik gewählt.Die strenge Form des Sonetts, die Villanelle, aber auch das Lied, Haiku und Senryu dürfen da nicht fehlen. Immer spielt neben sprachlichen Bildern auch die Klanggestalt des Gedichtes eine große Rolle, auf Versmaß und Reim wird geachtet. Fotos ergänzen etliche Gedichte. Getragen von einer positiven Grundstimmung, eignet es sich für Menschen, die Natur und Poesie lieben.“

BLÜTENGLÜCK

Calendula-Gold

erstrahlt leuchtend im Garten,

erhellt meinen Tag.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Sommerimpressionen

Ich seh’ die Schwalben schweben
im goldnen Sonnenlicht,
sich in die Lüfte heben;
ein fliegend’ Sommerleben,
mehr Lust als ernste Pflicht.

Ich höre Amseln singen,
weithin ihr Lied erschallt;
ein hell’ melodisch’ Klingen
erfüllt mit seinem Schwingen
den Tag in Stadt und Wald.

Der Pflanzen Hauch im Garten
die frische Luft durchzieht.
Vielfältig’ Rosenarten
erblühend, duftend starten,
erquicken mein Gemüt.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing

Ende August

Kein Abschiedsgruß, schon sind sie weggezogen
nach Süden, jene Mauerseglerschar,
die doch so quirlig flugs wie jedes Jahr
im Mai als Sommers Boten eingeflogen.

Des Morgens früh und in den Abendstunden
hört’ ich ihr Rufen, sah sie rasen, schweben,
bereicherten mir so mein kleines Leben,
wenn sie auf Mückenfang gedreht die Runden.

Als folg’ ein herbstlich Flüstern auf den Fluren,
ist’s mir, doch wähn’ ich späten Sommer nah;
noch tanzt das Licht, bewegt die Sonnenuhren,
auch bleiben Amseln, Meisen, Krähen da.

Ein Jahreszeiten-Bild schenkt die Natur,
beglückt verfolgen wir des Lebens Spur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

SOMMERREGEN

S ehnsuchtsvolles Warten,
O b auch endlich hier
M ildes Nass im Garten
M ag die Pflanzenarten
E rneut nun netzen für und für!
R egen schütze das Revier,
R ufe wach ein frisches Grünen,
E nde Dürre jetzt vor Ort,
G ebe auf der Wetterbühne
E in gemäßigt Spiel als Sühne
N ehme schlimme Brände fort!

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

WIDERSTAND

Widerstand (20. Juli 1944)
–
W iderstehen, wenn die Macht
I hren Weg ins Böse wendet!
D as habt Ihr beherzt vollbracht,
E ures Lebens Mut vollendet!
R ichter nahmen Euch das Leben.
S churken fragen nicht nach Recht.
T error, Hetze war gegeben,
A hnend Volk spielt’ stumm den Knecht.
N ie soll wieder solche Bande
D eutschland zwingen, bringen Schande!


©Akrostichon und Foto: Ingrid Herta Drewing

Sommer

Regengrauer Tag,
doch der Hortensien-Busch
blüht im Vorgarten.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing