Archive for the Category Sonette

 
 

Schnee

Es stiebt der Schnee, die Flocken wirbeln, fallen.
Der Winter schenkt nun reich mit voller Hand
die filigranen, kleinen Eiskristalle,
bezieht mit weichem, weißem Flaus das Land.

Er häkelt hier die zarten, weißen Spitzen
den Bäumen, Sträuchern auf das kahl‘ Geäst.
Im Sonnenschein wird alles strahlend blitzen,
wenn die Natur lädt ein zu Winters Fest.

Die Straßen sind jetzt glatt, die Autos krauchen,
und wer es kann, lässt seines lieber stehn,
bleibt mal zu Haus und lässt den Schornstein rauchen,
kann so beschaulich seinen Tag begehn.

Zwischen den Jahren einmal innehalten,
bevor wir wieder wuseln, quirlig walten.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Rituale

Auch wenn dein aufgeklärter Geist sich sträubt;
wir Menschen brauchen sie, die Rituale.
Wir mögen’s, wenn zur Weihnacht Schnee hier stäubt
und Lichtersterne sich ins Dunkel malen.

Ein Festtagszauber darf den Alltag schönen.
Wir ruhen uns von grauen Sorgen aus,
und wollen schenken, herzensfroh verwöhnen
die Lieben unterm Tannenbaum zuhaus.

Genießen freudig auch den Weihnachtsjubel,
die alten Lieder, die erneut erschallen,
und danken Gott, wenn sich gestillt der Trubel,
andächtig in der Kirche weiten Hallen.

Zum Innehalten sind wir nun bereit;
das Christfest schenkt uns jedes Jahr die Zeit.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Winterwünsche

Nun auch November nebelsüchtig endet,
und Spätherbst räumt dem Winter das Revier.
Ob der Dezember sonnentüchtig blendet?
Die Wetterfrösche melden Kälte hier.

Man möchte gern die weißen Sternchen sehen;
und auf den ersten Schnee die Kinder warten.
Sie wollen auf den Berg zum Rodeln gehen,
den Schneemann bauen; der soll steh’n im Garten.

Auf weiße Pracht sind Pendler nicht erpicht.
Der Weg zum Arbeitsplatz wird schnell zum Graus;
auf glatten Straßen, oft noch Nebel dicht,
steckt man im Stau, kommt abends spät nach Haus.

Und doch wünscht im Advent, zur Weihnachtszeit
so mancher, dass es stimmungsvoll, schön schneit.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Heimatstern

Wie eine blaue Perle leuchtend schimmert
die schöne Welt im All, wo schwarze Nacht
mit fernen Sternen in der Weite flimmert,
Planeten kreisen um die Sonnenmacht.

Auf diesem kleinen Wandelstern, dem blauen,
regt täglich sich das Leben und verwebt
sich grünend, blühend, und wir dürfen schauen,
wie alles Wesentliche wachsend strebt.

Ja, diese Erde, die uns trägt und nährt,
wir sollten sie wie einen Garten pflegen,
sie unsern Kindern lassen unversehrt,
und sie als unser aller Heimat hegen.

Nur sie gewährt dem Leben hier den Raum,
und Weltraumreisen sind Fiktion und Traum.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Gebet in der Not

Wie Falschgeld, Herr, missbraucht man deinen Namen,
auch richtet wieder Willkür, bringt den Tod.
Unmenschen, Wahn verblendet, mordend kamen,
und lebensfeindlich blutet Morgenrot.

Die Unschuld hilflos, fleht mit blassen Händen,
dass du sie rettest, wendest ab das Leid.
Sie bangen, hoffen, dass sie Hilfe fänden,
ein Licht sich zeige in der dunklen Zeit.

Da kann man nicht nur betend Hände falten,
wenn nach dem Leben trachtet böse Macht.
Denn es fällt schwer, die Wange hinzuhalten,
wenn Terror, Tod, Gewalt dein Wort verlacht.

Gib Kraft den Rettern, diesem Hohn zu wehren,
damit dann endlich Friede kann einkehren!

© Ingrid Herta Drewing,2014

Spätherbst im Park

Der Sommerlieder verlorene Klänge,
es wirbeln die farbigen Blätter im Wind,
wild tanzend, bis Regen trommelt, Gedränge,
in buntem Teppich ein Weben beginnt.

Sie liegen, einst grün, zum Welken bereit.
Doch zaubern nun Frost und Nebel am Morgen
ein silbernes, schimmerndes Raureifkleid,
die dunkle Wandlung durch Schönheit verborgen.

Du siehst dieses Bild, und dich Wehmut befällt,
weil alles, was lebt, im Irdischen schwindet,
das Glück, der Glanz und die Freude der Welt
sich irgendwann auch im Enden befindet.

Damit es kann wachsen, dies‘ pralle Leben,
muss es im Kreislauf das Sterben wohl geben.

© Ingrid Herta Drewing, 2014

Ätherisches

Basilikum, Lavendel, Rosmarin,
Thymian und Salbei, herbe Kräuterdüfte,
die schwingend ihre Zauber-Kreise ziehn,
bereichern würzig noch im Herbst die Lüfte.

Ich hege sie in meinem kleinen Garten,
dort wo auch Rosen ihr Aroma schenken,
wenn sie erblühend in der Sonne warten,
mit ihrer Schönheit Blicke auf sich lenken.

Mag nun der Nebel feuchte Schleier schwingen,
so dürfen sich die Düfte doch entfalten,
in grauen Zeiten wohlig Lieder singen,
mich nasenselig froh bei Laune halten.

Ich schätze als Refugium den Ort,
die Pflanzen hier, des Lebens grüner Hort.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Zug nach Süden

Es ziehen nun die Kraniche nach Süden.
Ihr Rufen klingt mir schallend hell im Ohr.
Sie fliehen Nässe, Kühle; regenmüde
Spätsommer seinen goldnen Glanz verlor.

Der Nebel dicht, verhüllt der Sonne Tagen,
schwarz faulend liegt die Walnuss unterm Baum,
und Eichhörnchen, vertieft in Sammelfragen,
verlieren heuer manchen Futter-Traum.

Im Regenmantel, gut beschirmt, zu gehen,
empfiehlt es sich bei diesem Wetter hier,
ein heißer Tee hemmt Schnupfen zu entstehen;
im Garten mundet jetzt kein kaltes Bier.

Und mag auch Herbst unfreundlich weiter stürmen,
wir werden dennoch nicht nach Süden türmen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Hoffnung

Nicht Träume sind es, die auf dunklen Pfaden
den Weg mir weisen, wo das Lichte webt.
Es sind nur Hoffnung, Glaube, Myriaden
der guten Menschen, deren Liebe lebt.

Wenn auch noch Hass und Krieg der Asche frönen,
ich warte auf ein menschlich‘ Auferstehen.
Im Glauben an ein göttliches Versöhnen
möcht‘ ich die Lande neu erblühen sehen.

Und werden nun zum Welken Blätter fallen,
beginnen trübe Tage, Nebels Zeit,
mag Sturmes Brausen durch die Wälder hallen,
so gibt der Anfang doch dem End‘ Geleit.

Ein heller Frühling wird auf dieser Erde
erneut erwachen aus dem „Stirb und Werde“.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Jahreszeitenwechsel

Nach Süden wird sich nun der Sommer wenden;
der Bäume Laub verkündet Herbstbeginn.
Mit braunen Rändern an den Blätterhänden
zeigt der Kastanienwald kaum Sommersinn.

Noch weilen in den grünen Stachelbetten
die braunen Früchte, die sehr bald dort säumen
den Stamm am Boden, eine Erntestätte;
Maronen lassen den Gourmet schon träumen.

Auch lockt uns wohl des Herbstes Farbenspiel,
das er sogar an grauen Tagen schenkt,
und auf den Höhen, die der Winde Ziel,
das Kind begeistert seinen Drachen lenkt.

So birgt die dritte Jahreszeit doch Freuden,
erleichtert’s uns, dass Sommer jetzt muss scheiden.

© Ingrid Herta Drewing,2014